Meist lief es so ab, dass eine Band, die man kannte, mochte und schon immer mal live sehen wollte, irgendwo zu weit entfernt für ein Mädel vom Land und einen kurzen Zwischenstopp in einer größeren Stadt auftraten. Also sammelte sich eine Hand voll alternativer Jugendlicher, irgendwer hatte vielleicht hoffentlich ein Auto. Oder man fuhr mit dem Zug einfach drauf los, die Hälfte ohne Ticket verbrachte die Fahrt dann auf einem Bierkasten in der Zugtoilette. So ging der Roadtrip dann los.

Irgendwann kam man meist am Zielort an, nicht immer. In der großen Stadt orientierte man sich dann nach dem Hinterhof-Kellereingang, wo die Antifaschista mit ihren Frontstimmen in Sturmmasken ihre Botschaft in lauten, krachenden Tunes zum Besten scheppern wollte. Natürlich nicht ohne Umweg über den nächsten Discounter, billiges Bier nachfüllen. Dank des Dosenpfandes, welcher geflissentlich beim Entsorgen des Leergutes vor dem Bahnhof ignoriert wurde, kam man sich geradezu dekadent vor.

Bierdusche und andere Partyhits

Irgendwann betritt man die Gruselkeller, Hinterhöfe, Baustellenlokations, eine kleine Bühne im Halbdunkeln, eine Gesellschaft aus runtergeranzten Zurückgebliebenen, die gerne mal mehr konsumieren als die harten Beats. Ein paar Junge, die den Eltern flüchten, um gegen das Establishment zu sein, in das sie hineingeboren wurden. Einige, die zur Mittelschicht der Szene gehören. Einige Mädels tragen vier Schichten bunter, angeblich zufällig zerrissener Hosen übereinander, eine der Schichten ist eine Netzstrumpfhose.

Die Musik beginnt, die Boxen geben unter der vollen Umdrehung fast auf. Dann kommt das Pogotanzen. Wie von Sinnen springt und rempelt man, voller Körpereinsatz ist bei diesem rituellen Stammestanz gefragt.

Die ersten Betrunkenen stürmen auch schon bald darauf die Bühne, jeder Zweite, der nicht direkt mitten im Gemenge steht, hat als treuen Tanzpartner die Pulle lauwarmes Billigbier. Und da kommt die erste Bierdusche, der Kerl auf der Bühne füllt die Backen, die Kohlensäure erhöht den Druck und schon versprüht er aus gepressten Lippen den klebrigen Nebel über die tanzende Menge. So war es damals, als ich noch jung war.